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Archiv für April 2009

Warum es um Zensur geht

jaja ich weiss: “buhuhu, schon wieder so viel text!”. lesen, aber zack-zack!

Dieser Gastbeitrag stammt von Jens Scholz , der ausdrücklich zum Kopieren und Verbreiten aufgefordert hat. Spread the word.

Da reiben sich gerade so viele die Hände, daß man eigendlich ein beständiges Rauschen hören müsste. Die Idee, das Thema Kinderpornografie als Popanz vorzuschicken, um das nun geplante Internet-Zensursystem einzuführen war aber auch wirklich eine richtig gute. Hat das ja zuvor mit den Themen Terrorismus und Internet-Kriminalität nicht wirklich hingehauen, kann man hier spitzenmäßig mit dem Holzhammer wedeln und Kritiker einfachst diffamieren, indem man die eigentliche Kritik ignoriert und ihnen vorwirft, sie wollten die Verbreitung von Kinderpornografie schützen. Wie schnell schon der Vorwurf zum beruflichen und gesellschaftlichen Tod führen kann, zeigte man nur wenige Wochen zuvor ja schonmal anschaulich am Exempel Tauss (der übrigens natürlich nicht im Netz “erwischt” wurde, sondern über Handykontakte und DVDs per Post).
Aber ich schweife schon wieder – wie es durch die Wahl dieses Themas ja auch gewünscht ist – ab.
Denn das Problem, das die Kritiker haben, ist ja natürlich nicht, daß man den Zugang zu Kinderpornografie sperren will, sondern das Sperrinstrumentarium, das man dazu baut. Schaut man sich das an, merkt man schnell: Es geht nicht um Kinderpornos und wie man dagegen vorgeht. Ging es nie.
Es geht um die Installation eines generellen technischen Systems und die generelle Art und Weise, wie es betrieben wird: Es geht darum, daß eine waschechte, diesen Namen zu Recht tragende, Zensur ermöglicht wird. Auch wenn die zunächst gesperrten Websites tatsächlich nur Kinderpornografie beinhalten (was die Liste eigentlich extrem kurz halten müsste) wäre sowohl die Technik, die Verwaltung und sogar die Psychologie installiert, um sofort eine effektive Zensur betreiben zu können.

Technik
Die Provider sollen ihre Nameserver so umbauen, daß Webseiten, die das BKA aussucht und ihnen nennt, nicht erreichbar sind und dem Nutzer bei Aufruf stattdessen eine Sperrseite angezeigt wird. Gleichzeitig soll das BKA jederzeit abrufen könne, welche Nutzer auf Webseiten aus dieser Liste zugreifen wollten und stattdessen auf die Sperrseite geleitet wurden.
Ein normaler Internetnutzer, der seinen Nameserver nicht auf einen freien DNS-Server umstellt, sieht bestimmte Seiten nicht und erhält die Mitteilung, er wolle sich gerade Kinderpornografie ansehen. Ob das stimmt, weiß er nicht und nachprüfen darf er das auch nicht, da ja schon die Suche nach Kinderpornografie strafbar ist. Der Nutzer muss sich in diesem Moment weiterhin im Klaren sein, daß er gerade etwas getan hat, was das BKA als illegal ansieht und als Grund ansehen kann, gegen ihn vorzugehen.
Die allein schon technisch verursachten Risiken für jeden Internetnutzer sind immens, noch dazu, weil man damit auch noch eine perfide Beweisumkehr eingebaut hat: Sie müssen künftig ihre Unschuld beweisen, z.B. daß sie “versehentlich” die gesperrte Seite angesteuert haben. Viel Spaß beim Versuch, Richtern TinyUrls, iFrames, Rootkitangriffe, Hidden Scripting und so weiter zu erklären, wenn Sie überhaupt wissen, was das ist.
Die Lösung zunächst: Den Nameserver umstellen, um sich dieser Gefahr vollständig zu entziehen. Geht schnell und kann jeder.
Die Technik ist allerdings interessanterweise das kleinste Problem in dieser ganzen Geschichte. Es gibt Staaten, die in ihren Zensurbemühungen schon wesentlich weiter sind. Die Menschen dort können dennoch sowohl anonym als auch unzensiert das Internet benutzen. Das Internet ist von Nerds gebaut worden. Ein Staat kann da so viel fordern wie er will, er wird das Netz auf technischer Ebene never ever kontrollieren können.

Verwaltung
Hier liegen die springende Punkte, die das Ganze zum Zensurinstrument machen:
1. Die gesperrten Inhalte stehen auf einer Liste, die das BKA direkt und ohne Prüfungsinstanz erstellt und die die Provider möglichst ohne sie anzuschauen zu installieren haben. Es entscheidet kein Richter über den Inhalt, es überprüft keine unabhängige Institution über die Rechtmäßigkeit, es gibt keine Regelung, wie Adressen überhaupt wieder von der Liste gelöscht werden könnten. Die Polizei, die Verbrecher verfolgt, bestimmt, welcher Wunsch nach welcher Information ein Verbrechen ist. Vorab zu definieren, was ein Verbrechen ist und hinterher darüber zu entscheiden, ob ein Verbrechen begangen wurde ist aber nicht Aufgabe der Polizei.
2. Die Liste ist geheim. So lange diese Liste nicht in die Öffentlichkeit gerät kann alles drinstehen und nichts davon muss gerechtfertigt werden. Wer das in Frage stellt wird zum Verdächtigen. Wie Zensur in Reinform eben funktioniert.
3. Der Gesetzentwurf ist schwammig genug, daß das BKA im Prinzip alles in die Liste setzen kann. Da im Web jeder Inhalt nur einen Klick weiter vom letzten entfernt ist und das Gesetz möchte, daß auch “mittelbare” Seiten gesperrt werden können, kann somit de facto auch jede Seite gesperrt werden.
4. Das System soll die direkte Verfolgung von Zugriffen erlauben. es wird nicht nur gesperrt, sondern es kann auch nachgeschaut werden, wer sich die gesperrten Seiten ansehen will. Dies kann dann Anlass für verdeckte Überwachungen, Hausdurchsuchungen und andere existenzbedrohende Vorgänge sein.
Die Staatsanwälte dieses Landes üben ja seit einiger Zeit kräftig an der Vorverurteilungsfront, indem Sie inzwischen gerne mal Pressemitteilungen über eingeleitete Verfahren rausgeben und die Presse direkt zu möglichst spektakulär und öffentlichkeitswirksam inszenierten Verhaftungen mitnehmen (Zumwinkel, Tauss, Frau B.).

Psychologie
Womit wir schon beim gewünschten Effekt von Zensur sind: Die Einführung der Schere im Kopf. Die wirksame Selbstzensur, weil man nicht weiß, was eventuell passiert, wenn man zu laut und deutlich Kritik äußert. Die Geheimhaltung der Sperrliste und ihre völlige Unverbindlichkeit durch das Fehlen jeglicher Kontolle ist ein bewußt eingesetzes Instrument, um Verunsicherung zu erzeugen.
Ein anderes ist die Verknüpfung mit dem Thema Kinderpornografie, womit wir wieder am Beginn dieses Artikels wären. Man weiß ja inzwischen, daß auch nur der leiseste Ruch, man könnte eventuell irgendwas mit Kindesmissbrauch und Pädophilen zu tun haben, die Existenz vernichten kann, selbst wenn hinterher rauskommt, daß tatsächlich nichts an den Vorwürfen dran war. Wie nahezu generell nichts rauskommt. Das ist ein so extrem starkes und wirksames Druckmittel, was natürlich beispielsweise ein Herr Gorny sofort erkennt, weil sein Versuch, diese Schere im Kopf einzuführen (durch den Versuch, Filesharing als schreckliches Verbrechen zu diskriminieren), wirkungslos blieb und er sich nun an den besser funktionierenden Trigger dranhängt (indem er Urheberrechtsverletzung mit Kindesmissbrauch gleichsetzt).
Die Justizministerin gibt dann noch Tipps in die richtigen Richtungen, die natürlich prompt reagieren. Überhaupt, das mal ganz nebenbei, finde ich es immer wieder seltsam, daß Frau Zypries immer wieder als Warnerin vermittelt wird. Dabei war – so sagt sie zumindest – sie es, die den Gesetzentwurf gegenüber dem Vorabvertrag von Frau von der Leyen verschärfen ließ und dieser nun schon den Zugriff auf Stopp-Seiten verfolgen lassen will.

Um die Frage zu beantworten, warum und wann es in einer Gesellschaft überhaupt dazu kommen kann, daß ein Teil davon meint, einen solchen Eingriff vornehmen zu müssen und der andere Teil (zu dem ich u.a. mich zähle) darin ein so massives Unrecht sieht, das es zu bekämpfen gilt, kann man sich bitte den Artikel “Kampf der Kulturen” drüben bei netzpolitik.org durchlesen.

Kategorien:allgemein, freiheit, internet Schlagworte: , ,

aktueller neusprech zugang: pädokriminell

27. April 2009 2 Kommentare

für mich das unwort des monats: pädokriminell. damit werden im “kinderporno-kreuzzug” pädophile bezeichnet. das ist natürliche doppelplusgut. entstammt frau von der leyens quaksprech wortschatz. steht noch nicht im duden, was natürlich ungut ist. wird aber bestimmt bald geändert und dann können wir uns als gutdenker nicht mehr dran erinnern, dass es mal anders war.

danke minilieb! danke miniwahr!

Kategorien:1984, internet, sprache Schlagworte:

20% der deutschen internet user sind pädophil!

ein artikel auf telepolis zum von der leyenschen “kinderporno-kreuzzug”, dem ich voll und ganz zustimme (also dem artikel, nicht dem kreuzzug):

Und ich weiß ganz genau, warum mir im Moment “To be a somebody” (aus der Serie “Cracker”), “Fight Club”, “Falling Down” und “Sleepers” (um nur eigene zu nennen) in den Sinn kommen. Liebe Frau von der Leyen, liebe sonstigen Symbolpolitiker, vielleicht ist es für euch nicht nachvollziehbar (oder es ist euch egal), aber ich bin der Meinung, ihr lähmt nicht nur das Land, ihr zerstört es – egal ob es um die Wirtschaft geht, um den inneren Zusammenhalt (der für die innere Sicherheit so wichtig ist), um Kreativität oder um Wissen. Ihr schnürt der Bevölkerung die Luft ab, ihr bringt sie dazu, dass sie nicht einmal mehr Tränen hat vor ohnmächtiger Wut, die heruntergeschluckt wird, weil man Angst hat, sich durch diese verdächtig zu machen.

hier der ganze text, etwas länger, aber lohnt sich.

Kategorien:internet Schlagworte:

schon gesehen: mozart in condom werbung

ok, keine kondome, trotzdem durex.

Kategorien:kondome, mozart, sex, video, werbung Schlagworte: , ,

mad world

habt ihr auch so lieder die euch sofort jeglichen antrieb aus den knochen saugen? fühlt sich toll an.

Kategorien:musik, video Schlagworte: ,

onlinedemo gegen netzsperre: von laien regiert

laien

spreeblick macht eine coole aktion: von laien regiert, eine online demo gegen die angestrebte netzsperre zur angeblichen bekämpfung von kinderpr0n. wie wirkungsvoll das ist weiss ich nicht, aber : MITMACHEN!

Kategorien:demo, internet Schlagworte:

ach komm, blizzard! nicht schon wieder!

neuer patch für world of warcraft:

Patch 3.1.1

Allgemein

  • Um Probleme mit dem dualen Talentspezialisierungssystem zu beheben, werden allen Spielern die Talentpunkte zurückerstattet. Spielern, die bereits eine zweite Talentspezialisierung erlernt haben, werden die Talentpunkte beider Spezialisierungen zurückerstattet. Glyphen werden von dieser Prozedur nicht betroffen sein.

och nö, jetzt reichts aber! das haben wir doch erst letzte woche gemacht! wow kotzt mich dermassen an, das kann sich niemand vorstellen!

Kategorien:scheisse, wow Schlagworte: ,

big pussy

lustiger kurzfilm, cool gemacht. sowas will ich auch mal machen!

Kategorien:kurzfilm, video Schlagworte:

joomla als plattform für social network

links, tipps und addons um joomla als social network einzusetzen: http://net.tutsplus.com/tutorials/other/build-a-social-network-using-joomla/

Kategorien:allgemein, joomla Schlagworte:

Have Adobe Creative Suite installed? Open up your Console app and see if your kernel is logging…

nur als notiz für mich:

Have Adobe Creative Suite installed? Open up your Console app and see if your kernel is logging…: “

Have Adobe Creative Suite installed? Open up your Console app and see if your kernel is logging SIGSEGV errors every couple of seconds. (Hint: it is.)

It’s apparently a problem in the ‘License Manager’. The only thing I love more than DRM is DRM that actively cripples my computer.

To fix this fucking amateur hour Adobe bullshit, download and run this idiotic thing: http://www.adobe.com/support/contact/licensing.html

Or just don’t buy the bloated, festering sack of garbage in the first place.

(Via ~stevenf.)

Kategorien:apple Schlagworte:
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